Case Study
Prädiktion der Wärmeverschiebung in Waste-to-Energy-Anlagen (AVK(V)IN)
Entwicklung eines robusten Machine-Learning-Workflows zur Vorhersage thermischer Verlagerung in Müllheizkraftwerken – von Datenaufbereitung über Modellvergleich bis zur Ableitung eines operativen Frühwarnindikators für Predictive Maintenance.
Ausgangssituation
In Müllheizkraftwerken verursacht Ruß- und Ascheablagerung im Dampferzeuger thermische Verlagerung: Der Wärmeübergang in vorderen Komponenten sinkt, nachgelagerte Bauteile werden stärker belastet.
- sinkender Wirkungsgrad der Anlage
- erhöhte thermische Belastung einzelner Komponenten
- ungeplante Anlagenstillstände zur Reinigung
- hohe wirtschaftliche Verluste, geringere Verfügbarkeit
Ziel des Projekts
Thermische Verlagerung frühzeitig vorhersagen, um Wartung und Reinigung vorausschauend zu planen und ungeplante Stillstände zu vermeiden.
- Predictive Maintenance statt reaktiver Reinigung
- mehr Effizienz und Betriebssicherheit
- höhere Anlagenverfügbarkeit
Datenbasis
Umfang
250.000+ Messwerte
über zwei Jahre
Sensorik
14 Prozesssensoren
Temperatur, Druck, Massen- & Volumenströme
Zielgrößen
Wärmestromgrößen
drei Überhitzer + Economizer
Die Daten waren realitätsnah, aber herausfordernd: starke Ausreißer (u. a. durch verändertes Abfallaufkommen während COVID‑19), fehlende Werte und nicht-stationäre Zeitreihen mit saisonalen Effekten.
Datenaufbereitung
- robuste Ausreißerbehandlung (angepasste IQR‑Methode)
- Interpolation fehlender Werte
- Aggregation von 5‑Minuten‑ auf Stundenwerte
- Feature Engineering: Time Since Cleaning, Time Since Revision, Wetterdaten
Modellentwicklung
- ARIMA, SARIMA, SARIMAX als klassische Zeitreihenmodelle
- LSTM‑Modelle mit unterschiedlichen Komplexitäten
- univariate vs. multivariate Ansätze im Vergleich
Validierung
Eine eigens entwickelte Five‑Day Forward‑Chaining Nested Cross‑Validation simuliert den produktiven Einsatz realistisch und ermöglicht robuste Fehlerabschätzung.
Zentrales Ergebnis
ARIMA erwies sich als sehr robuster und zuverlässiger Baseline‑Ansatz. SARIMAX und LSTM lieferten bei bestimmten Komponenten zusätzliche Vorteile. Durch die Vorhersage der relevanten Wärmeströme konnte ein Heat‑Flow‑Ratio definiert werden, das als direkter Indikator für thermische Verlagerung dient. Wird ein definierter Schwellwert überschritten, kann präventiv eine Reinigung ausgelöst werden.
Mehrwert & Impact
- zustandsbasierte, datengetriebene Wartung
- reduzierte Stillstände und Betriebskosten
- höhere Effizienz und längere Lebensdauer
- übertragbar auf andere WtE‑Anlagen
- perspektivisch edge‑fähig
Projektfakten
- Domain
- Waste-to-Energy
- Standort
- Hannover
- Horizont
- 5‑Tage‑Forecast
- Output
- Frühwarnindikator
Weiterführendes Material
Wenn du tiefer einsteigen oder über ähnliche Projekte sprechen möchtest, melde dich gern.
Unveröffentlichtes Paper
Using (robust) machine learning techniques for the prediction of (future) process behaviour
Felix Schmedes, Lisa Dawel, Alexandra Pehlken
Hinweis: Dieses Paper ist noch nicht veröffentlicht.
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